2018

Hybrid

„debut.K“ – Junge Kunst & Musik im depot.K

depot.K e.V. Kunstprojekt Freiburg

Einführung von Dr. Franz Armin Morat

 

Wir Paul Ahl und ich haben uns auf ein Experiment verständigt für den heutigen Abend. Ich kannte ihn nur äußerst oberflächlich so gut wie gar nicht und habe nicht das geringste von ihm hier gesehen. Das erste war jetzt vor ein paar Minuten.

Was mir beim aller ersten Durchgang auffiel ist ein Betonstück, schwärzlich dunkelgrau was genau unter uns im Untergeschoss hängt. Interessant war beim verlassen der Treppe der größtmögliche Abstand zum Objekt, wie es sich im Zuge der Annäherung des Betrachters verändert. Das belehrt, diese Erfahrung belehrt einmal mehr darüber, dass es, die Erscheinungsweise schlecht hin eines Werks der bildenden Kunst gar nicht gibt. Denn es sieht aus acht Metern Entfernung, ich habe es extra durch Abschreiten ausgemessen vollkommen anders aus als wenn man direkt davor steht. Müßig entscheiden zu wollen was die authentische Erscheinungsweise dieses Werks ist. Die hängt natürlich ab vom Raum und vom Licht, Licht in diesem Fall eingeschränkt weil wir es mit künstlichem Licht zu tun haben. Das wäre bei natürlicher Beleuchtung abermals ganz anders. Der Raum, dass ist gut nachvollziehbar aus acht Metern Entfernung sieht die Sache völlig anders aus als nach jedem Zwischenschritt bis hin zu einer ganz engen Annäherung auf wenige Zentimeter die sich auch als sehr sehr ergiebig herausstellt, wenn man mal dieses Experiment macht.

Also womit haben wir es Gattungsmäßig zu tun? Wandreliefs wäre ein Begriff, auf jeden Fall klar dreidimensionale Arbeiten. Das ist nun mal in der Natur der Sache in der Bildhauerei anders geht es ja nicht. Natürlich spielt die Fläche eine Rolle, die Dinge sind auf die Wand gehängt, auf die Wand montiert. Die Wand wird damit zwangsläufig Bestandteil des jeweiligen Werks. Auch das gilt es zu beachten. Ein anderer Punkt der sehr wichtig ist, die Unterscheidung von abstrakter und sogenannter gegenständlicher Kunst ist eine Fehlinterpretation, „apriori“ weil die Abgrenzung nicht möglich ist. Gerade bei intensiverem hinschauen stellt sich heraus, dass es einen gen gierenden Übergang gibt vom sogenannten gegenständlichen zum sogenannten abstrakten. Auch dort wo es zunächst völlig aussichtslos erscheint nach Gegenständlichkeit zu fragen oder danach zu suchen. Es ist vielmehr so, dass Mikrostrukturen äußerst realistisch dargestellt werden aber eben als abstrakte Erscheinungsweise nur in dieser Form erkennbar werden. Weil so zu sagen das andere aus dem Blickfeld gerät. Das sind außerordentlich interessante Wahrnehmungsvermögen die der Künstler hier indem er so arbeitet wie es der Betrachter nachvollziehen kann nicht nur durchschaut hat sondern es versteht diese Ambivalenz für den aufmerksamen Betrachter wirklich nachvollziehbar werden zu lassen. Das beginnt nicht nur bei formalen Dingen sondern das führt dann auch zu farblichen Problemen warum ist das eine Werk in Beton Türkis, es ist ja nicht angemalt sondern das Material hat ja diese Farbe. Wobei die Materialien Ton und Beton relativ eng beieinander liegen und es im übrigen auch reichlich unerheblich ist ob das jetzt Beton ist oder Gips oder irgendetwas anderes. Entscheidend bleibt das Erscheinungsbild, dass um es nochmal nachdrücklich zu betonen abhängig ist vom Raum und vom Licht also auch von der Entfernung des Betrachters. Machen Sie mal das Experiment und gehen Sie, kriechen Sie mal mit den Augen in diese Winkel dabei habe ich Ihn im übrigens bei einer Sache erwischt vorhin, dass einzige Stück in der Ausstellung wo ein kleines Stückchen locker hinten drin hängt. Ich habe mir sogar erlaubt mit den Pfoten rein zu graben um das Ding in die Hand zu nehmen. Es ist nichts beschädigt worden es ist alles in tadellosem Zustand. Da hat er sich selber gar nicht mehr daran erinnert. Mag irgendein Zufall sein das, dass da hinein geraten ist. Es war keine Absicht im Spiel. Nun können ja gerade Zufälle auch sehr fruchtbar werden. Jedenfalls ist das was Sie jetzt hier in dieser Ausstellung sehen und es sind ja immerhin 28 Stücke, dass erzeugt schon einen Überblick der wiederum auf die Betrachtung des Einzelwerks zurück wirkt nämlich durch den Kontext den die übrigen Werke herstellen, erzeugen. Und das sind Erfahrungen die Sie am besten durch individual- Besuche in dieser Ausstellung für sich selber nachvollziehen können. Dazu eignet sich eine große Versammlung weniger weil die Dinge im Blickfeld doch gestört werden. Also ich empfehle Ihnen, es lohnt sich wirklich die angedeuteten Erfahrungen mal bei individual Besuchen zu denen hier mehr Gelegenheit sich bieten wird als es den Veranstaltern lieb sein kann. Das ist nun mal so das geht uns ganz genauso. Hier wird man sich häufig ganz alleine wiederfinden und um so vorteilhafter und überzeugender sind dann die individuellen Erfahrungen beim Besuch dieser Ausstellung zu der ich Sie alle sehr beglückwünschen möchte den Künstler, Veranstalter, die Musiker. Kommen Sie wieder und versuchen Sie auf Entdeckungsreise zu gehen.

2017

ÜEBER LICHT UND SCHATTEN

Sheddachsaal der Zigarre, Künstlerhaus Heilbronn

Produziert von ANT Studios Philipp Seitz Dipl. Audio Engineer

VIER

Kunst im Alten Spritzenhaus E.V., Kunstverein Bahlingen a.K.

Einführung von Dr. Antje Lechleiter

 

Paul Ahl hat vor seinem Kunststudium in Munzingen eine Ausbildung zum Steinmetz absolviert, mit Ton hatte er nicht viel zu tun. Inzwischen ist er ein moderner Archäologe, denn im Jahr 2014 fand zu einer überraschend neuen künstlerischen Technik. Er beobachtete, wie sich durch starken Regen Auswaschungen, Bodenerosionen ergeben und suchte in der Folge nach einem Weg, diesen Prozess selbst zu steuern. Mit verschiedensten Materialexperimenten tastete er sich zunächst an diesen natürlichen Vorgang heran. Inzwischen spült er mit dem Hochdruckereiniger feinere und grobere Partien aus Tonplatten heraus. Mit Wasser meißeln - diesen Prozess des Freilegens kann er inzwischen perfekt steuern und man sieht auf diesen beiden Platten sehr gut, wie filigran er mit dem Gerät arbeitet und wie gekonnt er dabei - etwa wie hier durch das Auflegen eines Schuhs - mit der Plastizität seines Untergrundes spielt. Ich habe eingangs schon erwähnt, dass Ahl mit allen vier Elementen arbeitet. Zwei davon, nämlich Erde und Wasser wurden nun schon erwähnt. Doch diese Tonreliefs durchlaufen noch einen langwierigen Trocknungsprozess (Stichwort Luft) bevor sie im Holzbrandverfahren und bei Temperaturen bis zu 1.000 Grad gebrannt und damit haltbar gemacht werden. Der Brand bringt nun auch den Zufall ins Spiel. Der Serientitel "Glücksspiel" gehört zu der vierteiligen Arbeit von 2017, die oben hängt und sich auf diese Unwägbarkeiten bezieht. Hier nahm Ahl das durch Spannungsrisse bedingte Zerbrechen der Tontafeln bewusst in Kauf, sammelte die Scherben aus dem Ofen und fügte sie mit Epoxidharz wieder zusammen. Ich bin mir sicher, dass ihn genau dieser Kontrast zwischen der absoluten Kontrolle bei der Gestaltung und dem unkontrollierbaren Ergebnis des Brandes fasziniert. Mir persönlich gefällt dieser Ausdruck von Skepsis gegenüber der Dauerhaftigkeit, Geschlossenheit und Stabilität eines Kunstwerkes. Nur konsequent ist der Plan des Künstlers, künftig auch mit Vollplastiken in den Raum zu gehen. 

2016

Spuren finden. Zeichen setzen.

Regionale 17, Kunsthaus L6, Freiburg

Einführung von Jolanda Bozetti, Kunsthistorikerin

 

Erde, Feuer und Wasser sind die Elemente, mit denen der Bildhauer Paul Ahl (*1983, Heilbronn) arbeitet. Das nachahmen natürlicher Erosionsprozesse stand am Beginn seiner Arbeit mit Ton. Während der Regen durch Abwaschungen zufällige Formen auf der Erde hinterlässt, kann Paul Ahl mit einem Wasserstrahl die Gestaltung seiner Tonplatten gezielt steuern. So entstehen abstrakte Bilder, die etwa an Wellenmuster im Sand denken lassen. Oder es erscheinen reliefartige Abdrücke bekannter Alltagsgegenstände wie Dosen, Flaschen oder Telefone. Beim Brennvorgang spielt das nicht Steuerbare der elementaren Kraft eine wichtige Rolle. Im Ofen können die Arbeiten Risse bekommen oder auch komplett zerspringen. Dann wird der Bildhauer zum Archäologen, der in geduldiger Arbeit die Einzelteile wie ein Puzzle wieder zusammenfügt.    

Bruchstelle

Museum „Altes Rathaus“, Leingarten

Einführung von Fiona Hesse, Kunsthistorikerin

 

Es gibt wohl keine ursprünglichere Tätigkeit, als Kunst mithilfe der vier Elemente zu kreieren. Paul Ahl bringt seine Arbeiten mit den Händen aus Erde in Form, modelliert sie mithilfe von Wasser, lässt sie von der Luft trocknen und vom Feuer konservieren. Er hat dabei ein künstlerisches Material gewählt, das so alt ist wie die Menschheit selbst: Lehm.

Seit prähistorischer Zeit spielt die Arbeit mit gebrannter Erde – Terra Cotta – eine wichtige Rolle in der Kunst. In der Renaissance z.B. nutzten Künstler Lehm in Form von sog. Bozzetti, kleinformatigen plastischen Skizzen, die den Auftraggebern Einblicke in den Arbeitsprozess gaben. Im Gegensatz zu weißem Marmor, Bronzeguss oder gegenwärtig hochpoliertem Edelstahl, galten Arbeiten aus Lehm jedoch als minderwertig. Obwohl so unterschiedliche Künstler wie Pablo Picasso, Jannis Kounellis oder Anselm Kiefer das Material im 20. Jahrhundert erneut für sich entdeckten und als Grundstock des Schöpferkünstlers ansahen und somit – zumindest ideell – veredelten, konnte sich Kunst aus Lehm bis heute nicht richtig von der Aura des Kunst-Handwerks lösen.

Dass sich dieses Stigma endlich im Wandel befindet, ist Künstlern wie Paul Ahl zu verdanken.

Seine ersten gebrannten Kunstwerke bestanden aus einer wilden Mischung aus Ton, Bauschutt und Blumenerde, über Jahrzehnte im Nutzgarten vermengt. Die Ergebnisse wirken authentisch roh und teilweise so fragil, als könnten sie jeden Augenblick bersten und zu Staub zerfallen. Mittlerweile nutzt Ahl professionellen Ton mit hohem Schamottanteil, der auch für Ziegelherstellung genutzt wird. Hier sind die Möglichkeiten, unterschiedliche Effekte durch die Struktur des Materials und seiner Bearbeitung zu erzielen, vielfältiger, das Material hitzebeständiger. Nicht immer hält der Rohstoff den Temperaturen bis zu 1000° C stand und zerspringt. Das liegt vor allem an den Rissen, die bei der Trocknung entstehen können, und die sich während des ca. 6h dauernden Holzbrands im Ofen verheerend auswirken können – in mühevoller Kleinarbeit setzt Ahl dann die Bruchstücke mithilfe von Tricks aus seiner Tätigkeit als Steinmetz in der Restaurierung wieder zusammen. Diese auf den ersten Blick misslungenen Brände verleihen seinen Kunstwerken jedoch oft genau jene Bruchstellen, die sie so vielschichtig machen.

Viele seiner Arbeiten zeigen Nutzgegenstände – Werkzeuge, Geschirr, Nahrungsmittel – und sind in ihrer Nutzlosigkeit – da durch ihre Übertragung in gebrannten Ton ihrem eigentlichen Sinn und Zweck enthoben – faszinierend und befremdlich zugleich. Unter dem Strahl des Wassers hinterlassen die auf dem Ton liegenden Gegenstände nach und nach einen reliefartigen Abdruck ihrer selbst. Wie beim Spiel mit Licht bewirkt ein nah am Untergrund liegender Gegenstand schärfere Konturen, als einer, der sich weiter entfernt befindet, was ihm eine fast mystische Aura verleiht. Nicht immer lassen sich Telefon, Kamera oder andere Gegenstände aus dem Alltag des Künstlers sofort erkennen. Der Wiedererkennungswert ist aber nicht das Hauptaugenmerk des Künstlers. Wichtiger sind die Form eines Gegenstandes und sein physischer „Schatten“, den das ihn umspülende Wasser hinterlässt und ihm so eine eigene Gestalt gibt.

Obwohl ursprünglich weniger politisch oder gar gesellschaftskritisch motiviert, können Paul Ahls Arbeiten durchaus als kritische Dekonstruktionen des Alltags verstanden werden. Wie Objekte archäologischer Forschungen aus der Zukunft spiegeln die Wasserschatten elektrischer Geräte die planmäßige Kurzlebigkeit (geplante Obsoleszens) ihrer selbst wider – ihre technische (Soll-)Bruchstelle – und wir Betrachter stehen den Relikten unserer Konsumgesellschaft gegenüber. Entgegen der realen Fetischverbrennung und Verbrennung von Konsumgütern bei Künstlern wie Allan Kaprow oder Nam June Paik geschieht dieser gesellschaftskritische Akt bei Ahl eher symbolisch, eine fast schon esoterische Rückführung der dargestellten Gegenstände in den natürlichen Urzustand ihrer Materialien, in den Kreislauf des Lebens.

Den freieren Arbeiten liegen hingegen keine Gegenstände zugrunde, sondern entstehen aus Ahls Spiel mit dem Wasser. Meist flach auf dem Boden liegend, wird die glatt gestrichene Fläche durch den Wasserstrahl und verschiedene Düsen aufgeraut, platzt auf, wird teilweise sogar durchbrochen. Die Ergebnisse werfen ganz andere Fragen auf, regen Assoziationen an, verlangen, auch physisch den Standpunkt zu wechseln, um einen anderen Blickwinkel zu erhalten und in die Tiefe schauen zu können. Stehen wir einem von ferne aufgenommenen Satellitenbild oder zigfach vergrößerten Mikroben gegenüber? Betrachten wir die fragilen Lagen zarter Blütenblätter? Oder sehen wir schlicht und ergreifend eine vom Wasserstrahl aufgespaltene Oberfläche? Antworten erhalten wir aus dem eigenen Bilderschatz und dem kollektiven Bildgedächtnis, das heute durch die digitalen Verbreitungsmöglichkeiten globaler, universeller und vielfältiger geworden ist als je zuvor.

Als Kunstbetrachter lassen sich dadurch noch ganz andere Parallelen erkennen: Wenn Ahl seine Tonflächen mit dem Wasser durchlöchert und durchschneidet, erinnern seine Arbeiten an die zerhackten Leinwände Lucio Fontanas, in denen dieser die Grundbedingungen der traditionellen Malerei zerstörte: Die zweidimensionale Grundfläche einer Leinwand. Mit der Wasserdüse als Pinsel und dem formbaren Lehm als Leinwand rührt Ahl in seinen Arbeiten zwar nicht an den Grundfesten der Bildhauerei, aber fügt ihr eine neue und in ihren Ausdrucksmöglichkeiten äußerst malerische Komponente hinzu: Nicht die Hand direkt formt oder schwingt den Meißel, sondern lenkt nur noch indirekt die Kraft des Wassers. Durch den transformativen Vorgang des Brennens der eigentlich bereits fertig gestalteten Arbeiten wiederum gibt er seine bildähnlichen Reliefs dem Zufall preis – jeder Brand ein Spiel mit dem Feuer!

Dieses wiederum gibt jeder Arbeit auch ihre individuelle Färbung, denn auch die Farbverläufe, die durch den Brennvorgang entstehen, sind nur bedingt vorhersehbar oder gar planbar, können aber durch den Zusatz diverser Stoffe wie z.B. Eisenoxyd beeinflusst werden. Oft erreichen die Ergebnisse in ihrer Farbigkeit eine stark malerische Wirkung, die seine Arbeiten zu einem dreidimensionalen Gemälde werden lässt.

Paul Ahl erschafft mit seinen Arbeiten im ursprünglichen Sinne eine Skulptur, bleibt seinen bildhauerischen Wurzeln treu – dabei gelingt es ihm, das jahrhundertealte Relief in der zeitgenössische Kunst zu neuem, ästhetischen Leben zu erwecken und erlöst die Kunst der Terra Cotta gleichzeitig vom Fluch des Handwerklichen.

Comming home with art

Treppengespräch im Complex23/Triangel Ausstellungsfächen, Heilbronn

mit Dr. Bernhard Stumpfhaus

 

Das Treppengespräch am letzten Tag der Ausstellung Coming home with art von Paul Ahl beschäftigt sich vor allem mit dem Werden seiner Arbeiten aus gebranntem Ton. Adam, rote Erde. Der erste Mensch aus Ton. Babylon, Tontafeln mit den ersten geordneten Schriftzeichen, Tabellen ähnlich unserer Excel-Dateien. Das Formen aus Erde gehört wohl zu den ersten Tätigkeiten des sesshaften Menschen: Erde, Wasser, Feuer, Luft, das planende Zusammenfügen der Elemente zur Sicherung und zum Ausbau der Zivilisation. Doch soweit wollen wir nicht unbedingt zurückgreifen. In der Diskussion wollen wir vielmehr fragen, was den Künstler bewegt, sich den Formungen dieses ältesten plastischen Materials hinzugeben. Was braucht es, um diese irdenen Platten zu gestalten und zu brennen, dass sie so aussehen… wie versteinerte Relikte entweder aus grauer Vor- oder aus postapokalyptischer Nachzeit. Alle sind natürlich eingeladen mitzudiskutieren und ihre Fragen an den Künstler zu stellen.

2014

DREIRAUM

Kunstverein March, March-Hugstetten

Einführung von Dr. Christoph Schneider

 

Paul Ahl

... arbeitet mit Erde und Ton. Er imitiert Prozesse in der Natur, in der ganze Landschaften durch Bodenerosion, das sukzessive Wegschwemmen von Sand und Erde langsam verändert werden.

Erste Arbeiten ließ er Monate im Regen liegen. Auswaschungen und Verfärbungen entstanden im Laufe dieser Zeit und wurden durch den Brennvorgang konserviert.

Mittlerweile geht er gezielter vor, er beschleunigt den Vorgang, indem er mit einem Hochdruckreiniger kontrolliert Material auf den vorbereiteten Flächen abträgt.

Aufgelegte Objekte hinterlassen dabei ihre erhabenen Spuren. Von frühen Arbeiten bis hin zu aktuellen Ergebnissen sind seine Reliefplatten in der Ausstellung nebeneinander zu sehen.

Die Chronologie einer Idee, bei der die Motive immer weniger wichtig zu werden scheinen.

In der Reihung erkennt man verschiedene Werkphasen, in denen Paul Ahl mit verschiedenen Holzbrandtechniken experimentiert hat. Bei diesen eher einfachen Brenntechniken bleiben die Temperaturen nie konstant–was man an der unterschiedlichen Farbigkeit der Scherben gleichen Materials erkennt.

Das Werkstück zerspringt oftmals beim Brennen zu einem Scherbenhaufen. Keine Katastrophe, sondern ein kalkulierter Fehler, denn damit beginnt die Weiterarbeit, die eigentliche Herausforderung künstlerischer Entscheidung: das erneute Zusammensetzen ausgewählter Fragmente.

Zufall (Zeit) und Entscheidung – auf diesen Aspekten beruht maßgeblich das künstlerische Konzept . Paul Ahl beschäftigt sich somit mit den grundlegenden Aspekten gestalterischen Arbeitens, insbesondere mit den künstlerischen Strategien und nach wie vor aktuellen Fragen der Moderne.